Jahresabschluss des SPD-AK Labertals in Hohenthann

Presse


AK Sprecher Karin Hagendorn, Rainer Pasta (Mitte) zusammen mit MdL Ruth Müller

„Engagierten Menschen eine politische Heimat anbieten“

Jahresabschluss des SPD Arbeitskreises Labertal – Ausblick auf 2016: Ausstellung „Schuld und Sühne“

Hohenthann: Wie in den vergangenen Jahren trafen sich die Mitgliedsvereine des SPD-Arbeitskreises zwischen den Feiertagen zum Jahresabschluss. Dieses Mal war der Ortsverein Hohenthann Gastgeber und richtete das Treffen am vergangenen Dienstag im Bräustüberl aus. Neben Rück- und Ausblick gab es auch heuer wieder die traditionelle „Rote Supp´n“.

 

Ortsvereinsvorsitzende und stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises Labertal, Karin Hagendorn, begrüßte, neben der Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Kreisrätin Filiz Cetin, stellvertretend für die SPD-Ortsvereine Rottenburg, Pfeffenhausen, Ergoldsbach, Langquaid, Rohr, Schierling, Aufhausen, Mallersdorf-Pfaffenberg und Geiselhöring den Neufahrner Bürgermeister Peter Forstner. Anschließend ließ AK-Sprecher Rainer Pasta das vergangene Jahr anhand einer Bildpräsentation Revue passieren. Neben den jährlichen Traditionsveranstaltungen wie dem Labertaler 3-Königs-Treffen in Schierling oder dem Fischessen beim OV Ergoldsbach waren es 2015 besonders der Festakt zu „70 Jahre Wiedergründung der SPD im Altlandkreis Mallersdorf“ und die Ausstellungsreihe „Flucht Vertreibung und Asyl 1945-2016“ die Pasta hervor hob. Letztere ist derzeit auf ihrer 15. Station in der evangelischen Kirche in Neufahrn zu sehen und findet in einer Abschlussveranstaltung am 9. Januar um 19.30 Uhr ihren Schlusspunkt.

Die lange erhoffte Rückkehr des ganz normalen Bürgers in die Politik

Pasta ging auch auf die weiteren Aktivitäten des AK Labertal ein und hob vor allem das zusätzliche Engagement vieler Mitglieder in den Flüchtlingshelferkreisen hervor.

Er bezog sich auf die politische Ebene der Flüchtlingshilfe, als größte zivilgesellschaftliche Bewegung seit Jahrzehnten. War der Bundestagswahlkampf 2013 noch langweilig und inhaltslos sehe das jetzt, zwei Jahre später, ganz anders aus. „Einerseits die unsäglichen Demonstrationen, Angriffe und Anschläge gegen bzw. auf Flüchtlingshelfer und Flüchtlingsunterkünfte, andererseits die tausendfache spontane und langfristige Hilfe und damit das freundliche Gesicht Deutschlands“, stellte Pasta gegenüber und ließ keinen Zweifel daran wofür die Sozialdemokratie steht. Viele Genossinnen und Genossen stellten seit Monaten ihre Zeit und ihr Engagement zur Verfügung und helfen den Neuankömmlingen, die vielerorts auf überforderte staatliche Strukturen treffen. Pasta forderte die eigene Partei auf, die Flüchtlingshelfer als größte spontane zivilgesellschaftliche Bewegung seit Jahrzehnten mehr zu beachten und zu unterstützen. Er sehe darin die lange erhoffte Rückkehr des ganz normalen Bürgers in die Politik.

„Wir als Sozialdemokraten haben keine politische Diskussion über unsere Hilfe geführt, weil sie für uns selbstverständlich ist. Wir stehen für unser Wertesystem ein“, so Pasta und verwies „auf andere in der Politik, die ihre vor sich hergetragenen Werte permanent selbst missachteten“. Vor allem für junge Menschen sei die Flüchtlingssituation derzeit ein Grund, sich wieder für Politik zu interessieren und zu engagieren – so oder so, ergänzte der Sprecher des AK Labertal und forderte seine Mitglieder auf, die guten Ansätze zu würdigen, den engagierten Menschen eine politische Heimat anzubieten und den menschenverachtenden Taten und Worten der Rechtskonservativen und Neonazis konsequent entgegen zu treten.

2016: Ausstellung zur Verfolgung von NS-Gewaltverbrechen

Karin Hagendorn stellte anschließend das Ausstellungsthema 2016 vor. „Die NS-Gewaltverbrechen und ihre Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg sind das Thema des SPD-AK-Labertal im neuen Jahr“, so Hagendorn. „Ein dunkles Kapitel in unserer deutschen Geschichte und wir werden daran erinnern, damit das nie wieder passiert“. Das Staatsarchiv München stelle dem AK Labertal die Ausstellung „Schuld und Sühne“ zur Verfolgung von NS-Gewaltverbrechen zur Verfügung. „Sie wurde am 6. Mai 2014 zum ersten Mal in München gezeigt und wird für die Ausstellungsreihe im Labertal um niederbayerische Fälle ergänzt“, so Hagendorn, die die Ortsvereine einlud, vor allem mit den Schulen Kontakt aufzunehmen, um Ausstellungsmöglichkeiten zu finden.

Unmittelbar nach Kriegsende begannen die Alliierten mit der Verfolgung der NS-Kriegsverbrecher und hatten innerhalb von zwei Jahren bis 1947 bereits 20.000 Personen als Verdächtige erfasst. Im November 1945 begannen die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg. Es wurden Todesstrafen und lebenslängliche Haftstrafen ausgesprochen, 50.000 NS-Täter wurden abgeurteilt. Nach dem Gnadenerlass von US-Hochkommissar John Mc Clay am 31. Januar 1951 wurden fast alle Angehörigen von NS-Führungsgruppen aus Landsberg/L. entlassen. Das Straffreiheitsgesetz (Amnestiegesetz) vom 17. Juli 1954 entlastete viele und stellte sie als Handlanger und Befehlsempfänger des NS-Regimes hin, die nur ihre Pflicht erfüllt hatten und sich somit selbst in einem gewissen Maße als Opfer sahen. Man wollte einen Schlussstrich unter diese schreckliche Vergangenheit setzen und hoffte damit auf einen Neuanfang. Aus Politik und Justiz hatte man kein großes Interesse an weiterer Strafverfolgung, zumal viele NS-belastet waren.

Erst 1958 also 13 Jahre nach Kriegsende wurde die „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ eingerichtet. Sie versucht auch heute noch hochbetagte lebende SS-Veteranen vor Gericht zu stellen. Der bekannteste Fall in den letzten Jahren war der gegen John Demjanuk.

Es wurde immer wieder nachgebessert, verschleiert und amnestiert

„Als ernüchterndes Resümee kann man leider ziehen, dass über 95 Prozent der Ermittlungsverfahren eingestellt wurden, sie kamen meistens zu spät zustande oder es fehlte auch an Beweisen“, so Hagendorn weiter. Die Dimension der Gewaltverbrechen des NS-Staates überstiege jegliche Vorstellungskraft, man hatte es mit 100.000den von Tätern zu tun. Hagendorn: „Es gab in der jungen Bundesrepublik keine ausreichenden Gesetze, deshalb wurde immer wieder nachgebessert, aber auch verschleiert und amnestiert“. Der AK Labertal bekommt die Ausstellung ab April und hofft, dass, wie bei den bisherigen Ausstellungsreihen, großes Interesse hervorgerufen werden kann.

Abschließend wurden Rainer Pasta und Karin Hagendorn für ein weiteres Jahr als Sprecher des Arbeitskreises von der Versammlung einstimmig bestätigt. Mit einer vorzüglichen „Roten (Gulasch)Supp´n“ ließen die Mitglieder des Arbeitskreises das vergangene Jahr in gemütlicher Runde ausklingen.

 
 

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