Wahlkampfabschluss der SPD:Von Kinderkrippe bis Bürger-Windrad

Kommunalpolitik

Bürgermeisterkandidat Johann Sarcher präsentierte seine Ziele für Vilsbiburg

Vilsbiburg. Elf Wahlkampfveranstaltungen in Vilsbiburg und den umliegenden Ortsteilen haben SPD-Bürgermeisterkandidat Johann Sarcher und die Stadtratskandidaten mittlerweile absolviert. Und auch bei der letzten Versammlung, dem offiziellen Wahlkampfabschluss-Termin gestern Vormittag in Kirchstetten, war bei Sarcher nichts von Wahlkampf-Müdigkeit zu spüren: Engagiert legte er im Gasthaus Forster nochmals das SPD-Programm für die kommenden Jahre dar.
Die SPD-Ortsvorsitzende Theresa Bergwinkl hatte zuvor die rund 30 Zuhörer begrüßt und Sarchers "ruhige und zupackende Art" gelobt. "So können wir dem 2. März mit Zuversicht entgegensehen", sagte sie.

Auch der Bürgermeisterkandidat zeigte sich bei seiner Ansprache optimistisch. "Wir haben mit unserem Programm in den vergangenen Wochen viel Zustimmung gefunden. Vilsbiburg war bereits 36 Jahre lang von der SPD regiert - und das waren nicht die schlechtesten Jahre", sagte er schmunzelnd. Auch für die kommenden Jahre habe der Ortsverein wieder Visionen für Vilsbiburg entwickelt. In den Vordergrund rückte Sarcher dabei den Ausbau familienfreundlicher und sozialer Einrichtungen. "Wir brauchen ein bedarfsgerechtes Angebot. Berufstätige Eltern benötigen im Kindergarten Vormittagsplätze, mehr Nachmittagsplätze helfen ihnen nicht weiter", sagte er und wies darauf hin, dass in Vilsbiburg auch dringend eine Kinderkrippe gebraucht werde. "Wir sollten in die Gänge kommen und das so schnell wie möglich verwirklichen, denn jetzt gibt es noch Zuschüsse", forderte er.
VHS-Gebäude nicht vergessen
Auch den Schulen widmete Sarcher in seiner Rede viel Aufmerksamkeit. Erfreulich sei, dass man in den Räumen der alten Krankenpflegeschule weitere Hauptschüler unterbringen könne und dass im Herbst eine Ganztagesklasse starte. Doch auch die sanierungsbedürftige Volkshochschule und die Städtische Musikschule dürfe man nicht vernachlässigen. Alle Parteien hätten sich für die Umbauarbeiten ausgesprochen. "Am 3. März ist dann der Tag der Wahrheit", sagte Sarcher. Erst dann werde sich zeigen, ob diese Versprechen ernst gemeint gewesen seien.
Über das Stichwort Energie hat sich die SPD in den vergangenen Wochen ebenfalls viele Gedanken gemacht. "Wir wollen unabhängige und starke Stadtwerke", sagte Sarcher. In Vilsbiburg sei kein Platz für einen "Energie-Multi", denn dessen Gewinne seien für die Bürger verloren, während die Gewinne der Stadtwerke direkt wieder in Projekte vor Ort fließen könnten. Nicht vergessen dürfe man die regenerativen Energien, weshalb sich die SPD für den Bau des Windrads auf dem Zeilinger Berg stark mache und außerdem den Bau einer zweiten Anlage befürworte, die dann in Form eines "Bürger-Windrads" realisiert werden könne, so Sarcher. Dadurch könne man den Anteil regenerativer Energien in Vilsbiburg allmählich auf rund 20 Prozent steigern.
Sarcher bemühte sich auch, den Gegnern der neuen Ballsporthalle den Wind aus den Segeln zu nehmen. "Viele Bürger denken immer noch, wir bauen diese Halle nur für die Roten Raben. Das stimmt nicht: Wir bauen diese Halle für den Breitensport", sagte Sarcher. Und deshalb könnten alle Bürger von dieser Halle profitieren. Er könne sich auch vorstellen, dass der Neubau sowohl für Sport- als auch für Kulturveranstaltungen genützt werde. "Mit der neuen Halle sind wir für Veranstaltungen gut gerüstet", so Sarcher.
In Sachen Kultur attestierte der SPD-Bürgermeisterkandidat der Stadt jedoch Nachholbedarf. Als Mittelzentrum brauche Vilsbiburg einen Ort für Theateraufführungen und Konzerte. "Wenn das Kulturhaus im Bereich der Innenstadt machbar ist, sollten wir auch tätig werden", sagte er und warf einen Blick zurück auf den Wahlkampf 2002. Damals seien die Bürgermeisterkandidaten von der Idee einer neuen Heimat für die Künstler in Vilsbiburg begeistert gewesen - passiert sei jedoch nichts. "Wir als SPD, die keinen Kandidaten stellte, musste dann ständig nachbohren. Hoffentlich ergeht es dem Kulturhaus nicht ähnlich."
Beim Thema "Nord-Ost-Umgehung" machte Sarcher deutlich, dass die SPD nicht mit der CSU in einen Topf geworfen werden wolle. Zuerst müsse man klären, ob und wie die potenzielle Straße genutzt werde. "Erst dann kann man an eine Machbarkeitsstudie denken. Vorher brauchen wir uns über den Bau der Straße gar nicht zu unterhalten. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen", forderte er.
Radwege-Netzt schließen
Am Herzen liegen Sarcher die Radwege rund um Vilsbiburg, deren Lücken er gern schließen würde. Hier müsse der neue Bürgermeister dranbleiben und immer wieder das Gespräch mit den Grundstückseigentümern suchen, um sie doch noch zum Verkauf zu bewegen. Erst ein geschlossenes Radwegenetz werde mehr Fahrradfahrer anlocken. "Holen wir uns doch ein Stück vom sanften Tourismus", forderte Sarcher.
Ausführlich Gedanken hatte er sich auch zum Bereich Wirtschaft gemacht: Die Stadt müsse dringend ein neues Gewerbegebiet ausweisen, um weitere Unternehmen nach Vilsbiburg zu locken. Trotz der guten Kassenlage dürfe man nicht leichtsinnig werden und müsse immer daran denken, dass die Gewerbesteuer einmal nicht mehr so sprudeln könnte wie derzeit. Am Ende seines Vortrags bekam Sarcher viel Beifall. Ob das SPD-Programm bei den Wählern genau so gut ankommt, wird sich am kommenden Sonntag zeigen.

 

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